Handmade in Bali vs Handmade in der Türkei

Titel handmade in Bali vs. Handmade in der Türkei mit Close-Up auf Paperclip Armband

Wer das Privileg hatte, Bali zu besuchen, denkt bei dem Wort sicher an Sonnenuntergänge, Yoga und Selbstfindung, Reis-Terassen, Luxusanwesen, gesundes und köstliches Essen und freundliche, friedliche Menschen. „Handmade in Bali“ auf einer Schmuckseite ruft genau diese Assoziationen hervor.

Zweimal hatte ich dieses Privileg, 2013 und 2018. Beim zweiten Aufenthalt besuchte ich Celuk Village und kaufte ein Paar Silber-Ohrstecker, die bis heute zu meinen liebsten Stücken zählen. Sie sind sogar eine Art Power-Piece für mich, das ich immer mit einer besonderen Intention anlege.

Es ist in der Tat so, dass das Herkunftsland Einfluss auf die Gefühle nimmt, die wir einem Produkt gegenüber empfinden. Wie jede Marke hat auch jedes Land ein gewisses Image, das unwillkürlich abgerufen wird, wenn wir „Made in …“ lesen. Diese Wahrnehmungen können sich ändern, doch meistens geschieht das allmählich, über Jahre oder Jahrzehnte. Nur bei einschneidenden Ereignissen vollzieht sich der Wandel sprichwörtlich von heute auf morgen.

„Made in China“ ist ein gutes Beispiel dafür. Produkte aus China begleiten uns seit Jahrzehnten. Was früher einfache, günstige Ware war, sind heute zunehmend Hightech-Entwicklungen, die westlichen Produkten oft überlegen sind.

In diesem Artikel wollen wir das Image von "Made in Bali" und "Made in Turkey" gegenüberstellen, denn beide Regionen sind für ihre Schmucktradition weltberühmt.

Die Handwerkstradition Balis

Eingeweihten ist die Silberschmiede-Tradition Balis wohlbekannt. Celuk Village gilt als das balinesische Zentrum der Silber- und Goldschmiedekunst. Das Handwerk wird dort schon in der Jugend gelehrt und gibt eine jahrhundertealte Tradition weiter.

Auch andere Handwerkstraditionen sind auf Bali zu Hause: die Holzschnitzerei in Mas, die Steinmetzkunst in Batubulan, der traditionelle Endek-Stoff aus Sidemen, natürlich Batik sowie die Knochen- und Hornschnitzereien aus Tampaksiring.

Das Handwerk ist fester Bestandteil der balinesischen Wirtschaftsstruktur und eine wichtige Säule des Arbeitsmarkts. Es profitiert vom Tourismus, und umgekehrt.

Schmuck handmade in Bali, für alle Geldbörsen

Interessant ist, dass es handgefertigten Schmuck aus Bali in allen Preisklassen gibt, sowohl von etablierten Marken als auch von Anbietern mit weniger klingenden Namen. Ein Schmuckstück „handmade in Bali“ ist auf einem Online-Marktplatz für 60 Euro zu haben, während die 1975 auf Bali gegründete Marke John Hardy ihre handgefertigten Stücke als Luxusobjekte für 1.000 Euro und mehr anbietet. Viele Marken betonen das Narrativ der Gründerreise nach Bali, zeigen authentische Werkstätten oder lassen die Schmuckstücke vor der Auslieferung sogar segnen.

Alle diese Marken eint das positive, vielleicht idyllische Bild des Ursprungslands, das man aus eigenen Reisen oder vom Hörensagen kennt.

Dies ist kein Artikel über ausbeuterische Verhältnisse

Ich selbst habe nie eine Schmuckmanufaktur auf Bali besichtigt. Öffentliche Quellen deuten darauf hin, dass auf der Insel gute Arbeitsbedingungen für Handwerker herrschen. Das Bild eines lächelnden Silberschmieds unter Palmen muss dennoch revidiert werden, ohne dabei ins andere Extrem zu verfallen. Denn natürlich arbeiten Silberschmiede auf Bali in effizienten, organisierten Produktionsstätten, denn nur so ist der Export wirtschaftlich. Die Arbeitskosten in Indonesien sind im internationalen Vergleich niedrig, und genau das macht echte Handarbeit für den Export überhaupt möglich.

Die einzigartige Handwerkskunst, kombiniert mit günstigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und Zertifizierungen für faire Arbeit, macht Schmuck aus Bali zu einem wertvollen Besitz. Dennoch lässt sich nicht leugnen, dass das Image des Schmuckstücks mit dem Image der Insel als Selbstfindungs-Paradies verschmilzt. 

"Made in Bali" ist ein emotionales Label, kein Qualitäts- und Kostenversprechen wie "Made in Switzerland" oder "Made in Germany". Warum eigentlich nicht? Denn Qualität und Preis stimmen bei Silberschmuck aus Bali durchaus, doch das Marketing setzt auf die emotionale Komponente.

Doch müssen wir unseren Schmuck immer mit Ferien und Strand assoziieren?

Made in Turkey

Die Türkei ist für ihren Schmuck weltberühmt. Der Große Basar in Istanbul wurde 1476 gegründet und ist bis heute das Herz der Silberschmiedekunst, mit Techniken wie Filigranarbeit oder der Kazaziye-Drahtkunst aus Trabzon, deren Wurzeln bis in die byzantinische und osmanische Zeit reichen. Rund 200 Tonnen Silber verarbeitet die Türkei jährlich zu Schmuck.

Dabei ist die Türkei nicht nur ein beliebtes Urlaubsziel, sondern auch eine entwickelte Volkswirtschaft. Das Land ist Mitglied der G20 und bildet mit der EU eine Zollunion, was den Handel erheblich erleichtert. Für die Schmuckproduktion steht Kuyumcukent, ein 2006 eröffnetes Produktionszentrum in Istanbul mit rund 2.500 Produktionseinheiten, verbreiteten Qualitätskontrollen und Zertifizierungen. Die Türkei zählt damit zu den führenden Schmuckexporteuren der Welt.

Starke Inflation und deutliche Erhöhungen des Mindestlohns haben in den letzten Jahren endgültig mit dem Bild der Türkei als Niedriglohnland aufgeräumt. Handarbeit aus der Türkei ist keine Billigproduktion, sondern Ausdruck einer industrialisierten, qualitätsorientierten Fertigungskultur in unmittelbarer Nähe zu Europa.

Bei Türkei und Schmuck mag man vielleicht an traditionelle, opulente, osmanische Designs denken. Diese handwerklichen Kunstwerke gibt es, und daneben existiert eine lebendige Szene mit minimalistischen, modernen, originellen Schmuckdesigns.

Wo Pastel Studio heute steht

Unsere heutigen Kollektionen werden in der Türkei in moderner Handarbeit gefertigt. Zentrale Qualitätsmerkmale sind die handwerkliche Verarbeitung, der Verzicht auf Nickel und eine Beziehung des gegenseitigen Vertrauens zu unserer Manufaktur. Dies erlaubt auch die Produktion von Silberschmuck mit der hochwertigen Vermeil-Vergoldung, die nicht von allen Marken angeboten werden kann.

Die geografische Nähe macht die Lieferwege kurz, flexibel und ressourcenschonend.

Silberschmuck handmade in Bali. Silberschmuck handmade in Turkey.

Vielleicht klingen diese beiden Sätze jetzt anders als noch zu Beginn des Artikels. Beide Herkunftsangaben stehen für Qualität und handwerkliche Tradition, aber auch für wirtschaftliche Realitäten. Und beide stehen für wunderschönen, bezaubernden Silberschmuck.

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